Rentabilität steigt: Solare Energieversorgung für Mehrfamilienhäuser

Mehrfamilienhäuser mit Solaranlagen auf den Dächern aus der Vogelperspektive.(c) www.pixabay.com / Solarimo

Die Tage werden schon wieder spürbar länger, bis zum Frühling dauert es nun nicht mehr allzu lang. Gerade für Eigentumsgemeinschaften mit Mehrfamilienhäusern lohnt sich angesichts der bevorstehenden sonnigen Aussicht ein Blick auf ihr Dach. Dieses eignet sich häufig bestens für die klimafreundliche Solarnutzung. Allerdings scheuen einige Eigentümergemeinschaften den hohen Verwaltungsaufwand einer Photovoltaikanlage – trotz der Kosteneffizienz. Die triftigsten Gründe waren lange die vielen Ausnahmeregelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und undurchsichtigen Steuerregelungen. Nun aber ist Solarstrom mit dem richtigen Betriebskonzept profitabel: Seit Mitte 2021 ist das sogenannte Prosumer-Recht – Producer (Erzeuger), die gleichzeitig auch Consumer (Verbraucher) sind – auch in Deutschland rechtskräftig. Innerhalb dieses Rechtsrahmens ist die gemeinschaftliche Eigenversorgung für Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) in Deutschland leichter realisierbar.

Wann eignet sich Photovoltaik für WEGs?

Die Nutzung von Solarstrom in Eigentümergemeinschaften hängt im Wesentlichen von dem individuell geeigneten Betriebskonzept ab. Vorab geklärt werden sollte die Größe der nutzbaren Dachfläche, die Höhe des erwarteten Eigenverbrauchs durch PV-Strom und die Anzahl der Wohnparteien. Für das richtige Betriebskonzept spielen ebenso die Ausstattung an Stromzählern und das Verteilnetz eine große Rolle.

Ist Photovoltaik für Mehrfamilienhäuser rentabel?

Je mehr Strom im eigenen Haus verbraucht werden kann, desto besser. Auf Mehrfamilienhäusern lohnt sich die Produktion besonders, da sich ungenutzte Dachflächen leicht für die Energieproduktion umwandeln lassen. Mehrfamilienhäuser mit großen Dachflächen sind daher ideal. Zudem verteilen sich die Installationskosten und die Planungsgebühren der Photovoltaikanlage auf die Eigentümer*innen. Und gerade der hohe Eigenverbrauch eines Mehrfamilienhauses rechnet sich durch die Einsparung des Stromkaufs aus dem Stromnetz: Strom aus Photovoltaik kostet zwischen 7 und 11 Cent je Kilowattstunde (kWh). Im Vergleich liegen die Stromkosten aus dem öffentlichen Versorgungsnetz bei 23 bis 33 Cent je kWh. Sollten Sie sich für die Produktion und den Verbrauch von Solarstrom entscheiden, können Sie also rund 8 bis 11 Cent je kWh sparen.

Mit Solarenergie Selbstversorger werden

Eigentümergemeinschaften können sogar Renditen mit ihren Photovoltaikanlagen erwirtschaften und haben die Möglichkeit, unkompliziert und energieeffizient selbst Strom zu erzeugen: „Eigenversorger sind individuell oder über Aggregatoren berechtigt, erneuerbare Energie einschließlich für die Eigenversorgung zu erzeugen und die Überschussproduktion (…) zu verkaufen“, besagt die EU Richtlinie 2018/2001.

Mit dem SolardachCheck finden Sie in wenigen Minuten heraus, ob sich Ihr Dach für eine Photovoltaikanlage eignet.

Die wichtigsten Vorteile einer Photovoltaik-Anlage

  1. Photovoltaikanlagen gehören aufgrund ihres geringen CO2-Ausstoßes zu den klimafreundlichsten Varianten unter den Stromversorgern.
  2. Sie bieten langfristige finanzielle Entlastung durch energetische Eigenversorgung.
  3. Die Einsparungen der Erträge werden nicht zuletzt zur Freude der Mieter*innen bzw. Hausbewohner*innen als positive Einnahmen auf der Nebenkostenabrechnung aufgeführt.
  4. Bundesförderung: Es gibt einen Förderkredit für erneuerbaren Strom der KfW Bank.
  5. Eine WEG ist meistens körperschaftssteuerbefreit.

Wie kann ich meinen eigenen Solarstrom produzieren?

Ist ein/e Anlagenbetreiber*in auch gleichzeitig Strombezieher*in, liegt eine Personenidentität vor. Per Definition ist der oder diejenige Eigenversorger*in, wenn er oder sie den selbst produzierten PV-Strom nicht durch das öffentliche Stromnetz leitet, sondern die Stromerzeugungsanlage selbst betreibt. Das klingt erst mal komplex. Ist aber mit dem richtigen Planungskonzept leicht realisierbar. Mit dem Leitfaden „Betriebskonzepte für Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern“ der Energieagentur Regio Freiburg und der darin enthaltenen Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie bald Ihren eigenen Strom produzieren.

Wie bringe ich die Solaranlage aufs Gemeinschaftsdach?

Der genannte Leitfaden Betriebskonzepte für Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern führt durch die aktuellen Betreibermodelle. Diese unterscheiden sich nach Aufwand und Wirtschaftlichkeit. Bei der gängigsten Variante zur Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage kauft und betreibt die WEG die PV-Anlage selbst. Der Verwaltungsaufwand ist bei dieser Variante sehr gering. Sofern auch die Geräte von der WEG betrieben werden, zählen zum Gemeinschaftsstrom der Eigenversorgung auch der Allgemeinstrom (Licht und Aufzug), die Wärmepumpe und Raumlufttechnik sowie Klimaanlagen. So werden die Nebenkosten erheblich gesenkt. Den nicht verbrauchten Strom kann die WEG ins öffentliche Netz einspeisen und über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergüten lassen. Wichtig: Der Zähler für den Allgemeinstrom (Licht und Aufzug) sollte durch einen Zweirichtungszähler ersetzt werden. An den ist auch die PV-Anlage angeschlossen.

Der/die Anlagenbesitzer*in kann die PV-Anlage auch einfach an eine Wohnpartei vermieten. Ebenso können die Wohnparteien die Dachfläche der WEG mieten. Im Contracting-Modell betreiben die Bewohner*innen die PV-Anlage und versorgen sich auch selbst mit Strom.