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Von ahnungslos zur Auskennerin: Wohnungsbesitzerin Yasmin Gehron hat sich ihr Sanierungswissen selbst beigebracht

(c) co2online | ML-pictures

„Ein Angebot ist mir zu wenig“, dachte sich Yasmin Gehron, als bei der Wohnungseigentümerversammlung nur ein Angebot für die Wartung der alten Heizung vorgelegt wurde. Das wollte sie ändern, auch wenn sie damals weder Ahnung von Heizungstechnik noch vom Umgang mit Handwerker*innen hatte. Doch das würde sich ändern. Die damals 26-Jährige studierte das Internet, engagierte einen Energieberater und hatte zur nächsten Versammlung gleich vier verschiedene Angebote organisiert. Und damit war ihr Engagement für die neue Heizung noch lange nicht beendet …

HeizCheck

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über das Haus: 2 Häuser, 8 Wohneinheiten
Baujahr: 1992
50% Vermietung, 50% Selbstnutzung
Hausverwaltung: Gewerblich
Verwaltungsberat: 3 Mitglieder
Bauausschuss: Nein 
Sanierung:Vorderhaus: Gasetagenheizung wurde nicht getauscht
Hinterhaus: neue Gastherme mit PV Unterstützung Warmwasser/Heizung (2019)
Hydraulischer Abgleich
Kosten:30.569,88 Euro
Verbrauch:Heizenergieverbrauch vor Sanierung: ca. 44.000 kWh
Heizenergieverbrauch nach Sanierung: ca. 29.000 kWh
Förderung:KfW-Förderung: 2.921,85 Euro
Stand:Oktober 2020

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

  • In gute Beratung investieren!
  • Fördermöglichkeiten genau studieren, um zu wissen, wie hoch die Unterstützung ist.
  • Maßnahmen-Plan mit Skizze anfordern, um genau zu wissen, was die Fachbetriebe planen.
  • Wartungsvertrag nicht vergessen!
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Rüsselsheim, im Oktober 2020. Im Winter 2015 fiel im Haus von Yasmin Gehron die Heizung aus – schon wieder! Schuld war der alte Gasbrenner, der auch für die Warmwasseraufbereitung zuständig war. Es war die zweite Reparatur in zwei Jahren. Den Mitgliedern der Wohnungseigentümergemeinschaft war damit klar, dass etwas passieren musste. Als dann bei der nächsten Versammlung der damalige Heizungsbauer ein Angebot für die Anlage vorlegte, dachte die junge Frau gleich: „Ein Angebot ist mir zu wenig“. Also entschloss sie sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zwar hat sie einen Bruder, der ihr als Elektriker beratend zur Seite stand und auch ihr Maschinenbau-Studium, das sie seinerzeit nebenher betrieb, half mitunter beim Verstehen. Doch im Grunde genommen hatte Yasmin Gehron damals keine Ahnung. Ein Zustand, den sie ändern würde.

Gute Informationen für eine gute Wahl

Ihre erste Informationsquelle war das Internet, hier vor allem das Web-Angebot von co2online.de. Dort las sie auch den Tipp, sich eine/n Energieberater*in mit ins Boot zu holen. Frau Gehron ging zur Verbraucherzentrale und ließ sich hier in Ruhe vom Energieberater erklären, worauf es bei einem Heizungseinbau und einer energetischen Sanierung ankommt. Am Ende der Beratung hatte sie viele wertvolle Antworten und ausführliches Infomaterial.

Bis zur nächsten Versammlung nahm Frau Gehron Kontakt zu 14 Heizungsbauer*innen auf, mit zehn vereinbarte sie einen Termin vor Ort. Dabei ließ sie sich verschiedene Heizsysteme und ihre Vorteile erklären. Bei der nächsten Eigentümerversammlung lagen dann gleich vier Angebote auf dem Tisch. Am Ende fiel die Wahl auf einen neuen Gaskessel mit Kombispeicher und zusätzlicher Solarthermie-Anlage zur Warmwasseraufbereitung.

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Der Einbau verlief nahezu reibungslos. Die Beeinträchtigungen für die Hausbewohner*innen waren minimal und auch der vorgegebene Zeitrahmen von zehn Tagen wurde eingehalten. Nur ein Detail hatte Yasmin Gehron in der Vorplanung nicht bedacht: Wie groß würde die Anlage sein und wo genau würde sie im Keller stehen? Als die Handwerker mit dem Aufbau begannen, war schnell klar, dass der Kombispeicher so groß war, dass deswegen eine Waschmaschine nicht mehr genutzt werden konnte. Dass so noch mal zusätzliche Leitungen verlegt und umgeplant werden mussten, hätte Frau Gehron gerne durch eine bessere Planung vermieden.

Zufrieden – mit Einschränkungen

Inzwischen läuft die neue Anlage seit drei Jahren. Leider funktioniert die Warmwasserversorgung nicht immer zufriedenstellend. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Hausverwaltung vergessen hat, sich um einen Wartungsvertrag zu kümmern. Insgesamt ist Yasmin aber überzeugt, dass der Heizungstausch die richtige Entscheidung war. Und die Tatsache, dass sie als einzige aus der Wohnungseigentümergemeinschaft viel Zeit in das Projekt investiert hat, ärgert sie nicht – im Gegenteil: „Für mich ist das eine enorme Erfahrung gewesen“, lautet ihr persönliches Fazit. „Denn wenn ich mal mein eigenes Haus baue, dann kommt ja sicherlich auch eine Heizung rein. Und dann weiß ich, was ich alles richtig gemacht habe oder wo noch Potenzial nach oben besteht.“

Richtig planen

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In eine gute Beratung investieren

„Die wichtigste Informationsquelle für mich war am Anfang co2online. Da habe ich mir rausgeschrieben, worauf es ankommt. Außerdem hätte ich ohne co2online nicht gewusst, dass ich zum Energieberater muss. Und der Energieberater der Verbraucherzentrale war sehr wichtig. Der hat mich in Teilen in dem, was ich mir vorher angelesen habe, bestätigt und mich auf Dinge aufmerksam gemacht, die man als Laie einfach nicht weiß. Ich empfehle diese vollumfängliche Beratung für das Haus sehr. Den Energieberater sollte man dann auch in die Hauseigentümerversammlung einladen, damit er alles erklärt. Denn die Leute, die da sitzen, sind alle nur Laien.“

Per Wissenstest zum richtigen Handwerker

„Den Heizungsbauer habe ich ausgewählt, weil er mich gut beraten hat und mir Sachen im Detail erklärt hat. Andere Heizungsbauer, die ich vorher im Haus hatte, konnten beachtenswerte Aspekte, die ich mir vorher angelesen hatte, nicht ausreichend beantworten. Da war klar, dass die gleich durchgefallen waren.“

Nicht nur an die Heizung denken

„Der Energieberater hat mir auch erklärt, dass es eigentlich wenig Sinn macht, wenn man eine neue Heizung einbaut und dann aber nicht auch gleichzeitig die Außenwände dämmt. Eigentlich sollte man Außenwände, Heizung und Fenster zusammen machen, wenn man es richtig machen will. Aber das war in der Eigentümerversammlung leider nicht durchsetzbar.“

Richtig umsetzen

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Wissen, was der Handwerker macht

„Das Tragische ist, dass vorher nicht gesagt wurde, wie groß die Heizungsanlage ist und wo sie steht. Der Heizungskeller wird nämlich auch als Waschraum benutzt und da der Kombispeicher einen Durchmesser von circa einem Meter hatte, hat er so viel Platz eingenommen, dass man eine Waschmaschine nicht mehr nutzen konnte […]. Man weiß am Anfang einfach nicht, dass man kontrollieren muss, was der Handwerker macht.“

Kontrolle ist besser …

„Da die Warmwasserleitungen teilweise durch die Keller der Nachbarn gehen, habe ich der Hausverwaltung gesagt: Ihr müsst euch für die Abnahme darum kümmern, dass die Keller der Nachbarn aufgeschlossen sind. Denn Teil des Auftrags war auch, die Rohre zu dämmen. Sonst hätte unsere Hausverwaltung vermutlich einfach nur einen Haken drangemacht, die gucken sich das an: Ja, Heizung steht, in Ordnung, fertig. Also es wird nicht wirklich überprüft, ob die Arbeit gut war oder nicht …“

Maßnahmen-Plan anfordern

„Man sollte sich einen Plan geben lassen, wie die das einbauen wollen. Damit man weiß, je nachdem wie die Raumgestaltung ist, wie groß da die Veränderung ist. Auch, damit man weiß, dass man ein Gerüst ums Haus gebaut bekommt, weil die ja aufs Dach müssen. Als Eigentümer sollte man mehr im Blick haben, was da konkret in der Maßnahme gemacht wird …“

Alltagsfragen

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Nicht vergessen: Regelmäßige Wartung

„Wir haben die Heizung 2017 eingebaut, 2020 hat zum ersten Mal eine Wartung stattgefunden, als es ein Warmwasserproblem gab. Die Hausverwaltung hat leider nicht gecheckt, dass man einen Wartungsvertrag abschließen muss, auch damit die Garantie erhalten bleibt.“

Lernphase bei den Mieter*innen

„Die Vermieter mussten erst mal lernen, dass eine Heizung auch dann gut funktioniert, wenn sie nur lauwarm ist. Denn durch den hydraulischen Abgleich, der am Ende durchgeführt wurde, sind die Heizkörper nicht mehr so heiß. Und das war einigen Mietern sehr schwer zu vermitteln. Auch, dass es ihnen ja eigentlich nur zugutekommt, wenn die Heizung richtig eingestellt ist.“

Lohnende Investition mit Schönheitsfehler

„Ich würde die Investition in jedem Fall als sinnvoll erachten, schon weil es mit der alten Heizung teurer geworden wäre als mit der neuen. Doch dass die Heizung nach drei Jahren nicht astrein funktioniert, das hätten wir uns anders vorgestellt.“

Tipp der Redaktion

Die Modernisierung der Heizungsanlage ist in vielen Wohnungseigentümergemeinschaften ein Thema. Wie Sie dabei am besten vorgehen – von der Bestandsaufnahme über die Auswahl der neuen Heizung bis zur passenden Förderung – lesen Sie in unserem Artikel „Heizungskauf und -modernisierung“. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, worauf Sie achten müssen.